⚓️ Wir waren zurück… und jetzt?

⚓️ Wir waren zurück… und jetzt?

Ahoi ihr Lieben!

Einige von euch werden bemerkt haben, dass es nach meinem letzten Blogeintrag plötzlich ganz still wurde. Ich wollte noch von meiner ersten Woche mit Gästen berichten und plötzlich kam nichts mehr. Das liegt nicht daran, dass ich keine Zeit oder kein Interesse mehr daran hatte, diesen Blog weiterzuführen, sondern daran, dass ich nicht wusste was ich schreiben soll/kann. Nun bin ich aber zurück und habe einiges zu erzählen:

First things first: die Woche mit Gästen!

Es war so eine schöne Woche und natürlich sagt eine Reise überhaupt nichts aus, aber ich habe einfach gemerkt, wie sehr ich diesen Job liebe. Natürlich gab es ein paar Gäste, denen das neue Konzept nicht passte, die keine Maske tragen oder sich im Theatrium nicht an die Seating-Regeln halten wollten. Aber für jeden dieser Gäste gab es fünf verständnisvolle, die uns unterstützt haben und einfach nur froh und dankbar waren, wieder an Bord sein zu dürfen. Und genau diese haben uns so viel Kraft gegeben. Ich habe solch ein positives Feedback erhalten und täglich so nette Unterhaltungen geführt, dass ich jeden Morgen aufs Neue froh war, als ich aus meiner Kabine raus ging und in den Gästebereich durfte. Die Zeit ging super schnell um (was ja grundsätzlich immer ein gutes Zeichen ist) und plötzlich war auch schon Weihnachten. Ich hatte mein schönes Gala-Outfit an, habe mir die Weihnachtsgala mit Staunen angeschaut und viele glückliche Gesichter gesehen.

Sowohl Gäste als auch Crew waren gut gelaunt und es war einfach ein toller Abend. Nachdem ich den Gästebereich verlassen habe, gab es im Crew Bereich etwas Glühwein, Weihnachtsmusik und gute Laune und ich war einfach nur glücklich. Und plötzlich ging das Internet aus.

In dem Moment machte ich mir nicht viel daraus, genoss weiterhin den Abend und ging glücklich zu Bett.

Am nächsten morgen war die Stimmung ein wenig komisch. Und es dauerte nicht lange, bis wir erfuhren, dass die nächste Reise nicht stattfinden würde. AIDAmar hatte IT Probleme und diese mussten erst einmal behoben werden, um den nächsten Gästen eine Sichere Reise mit hohen Standards zu gewährleisten.

Die Weihnachtsreise wurde selbstverständlich fortgesetzt und wir hatten noch schöne Tage mit den Gästen.

Bei der Verabschiedung der Gäste am letzten Tag war ich wirklich positiv überrascht. Ich hatte mit überwiegend Beschwerden gerechnet (vielleicht weil ich manchmal ein kleiner Pessimist bin), aber das Gegenteil passierte. Natürlich gibt es einzelne Ausnahmen, doch die meisten unserer Gäste verabschiedeten sich mit einem Lächeln, bedankten sich für die gelungene Reise und wünschten uns alles Gute und viel Kraft für die kommende Zeit. Anstatt dass sich die absteigenden Gäste über fehlendes Internet oder möglicherweise längere Wartezeiten vor den Restaurants aufgrund der Papierlisten beschwerten, tat es ihnen leid für uns, dass wir wieder ohne Gäste weiter schippern müssen. Und genau das hat mich in der Meinung bestärkt, dass ich bei genau der richtigen Reederei, mit der besten Crew und den tollsten Gästen gelandet bin 🙈.

Was ist seitdem geschehen?

Der treue Blogleser (hallo Mama😋) weiß, dass ich ein großer Fan von Unterüberschriften und Aufzählungen bin, so here we go:

Die erste Woche ohne Gäste

Die erste Woche ohne Gäste war… komisch. Irgendwie back to normal, weil ich es ja nicht anders kennengelernt habe, aber die Stimmung war bedrückt. Gerade hatten wir unser großes Ziel erreicht und es ging viel zu schnell vorbei. Es herrschte auch eine ziemliche Ungewissheit; wie lange werden diese IT Probleme andauern, wann sehen wir die nächsten Gäste, wird eventuell sogar Corona uns nochmal einen Strich durch die Rechnung ziehen?

Dennoch haben wir alle das Beste aus der ersten Woche gemacht und hatten eine schöne Zeit zusammen. Wir durften abends wieder in der Beach Bar sitzen und Musik hören, wir haben mit den Gastgebern gemeinsam gewichtelt, durften das (eigentlich für die Gäste geplante) Silvester Menü im Buffalo Steakhouse essen und sogar nochmal im Rahmen einer geführten Crew-Tour an Land gehen. Und dann kam auch schon Silvester.

Silvester

Der wohl meist ersehnte Tag im Jahr 2020. Wir alle wussten, dass sich nicht innerhalb einer Nacht alles zum Besseren wenden würde, trotzdem war glaube ich jeder froh, als sich um Mitternacht die Zahl 2020 auflöste und zu einer 2021 wurde.

Wir alle hatten uns zwar erhofft, das neue Jahr gemeinsam mit Gästen zu starten, trotzdem war es natürlich auch schön, das Schiff für uns zu haben, schöne Musik zu hören, gemeinsam den Countdown zu rufen und das wunderschöne Feuerwerk an Land zu betrachten.

Wir trugen Gala-Outfits, es lief gute Musik, das Pooldeck wurde mit Lichterketten geschmückt und es gab lecker Currywurst (Entwarnung: mein komplett weißes Outfit hat keine Currysoße abbekommen!). Um Mitternacht haben die Jüngste und die Älteste Person an Bord gemeinsam auf der Bühne die Glocke geläutet. Und schon war 2020 vorbei.

Reiseabsagen

Leider hielt auch das neue Jahr keine allzu Guten Nachrichten für uns bereit. Kaum hatte 2021 begonnen, erfuhren wir, dass alle Reisen bis zum 6. März abgesagt werden mussten. Diesmal erneut aufgrund der Corona Situation. Die Neuigkeiten schockierten die meisten von uns, da es sich diesmal nicht um ein oder zwei Wochen, sondern um zwei Monate handelte. Für mich bedeutet das: keine Gäste mehr in diesem Vertrag… ich steige Mitte Februar ab und habe innerhalb von 4 Monaten nur eine Woche lang mit Gästen gearbeitet. Natürlich war ich dann einige Tage einfach nur traurig, enttäuscht und überfordert. Was mache ich dann jetzt noch hier ?

Zurück in den Gästebereich

Schnell ging jedoch der alte Alltag wieder los. Wir durften wieder in den Pool, in die Gäste Restaurants und Bars und boten wieder Aktionen wie Dart und Shuffleboard für die Crew an. Um alle bei Laune zu halten kam sogar noch einiges dazu, wie zum Beispiel ein Crew meets Band Konzert bei welchem die Crewmitglieder ihr Gesangstalent unter Beweis stellen konnten. Zudem wurde ein bisschen Bespaßung auf dem Pooldeck gefordert, deshalb moderiere ich gemeinsam mit Päddy seit Anfang des Jahres zweimal die Woche das Crew Radio. Jeden Mittwoch und Sonntag spielen wir eine Stunde lang Musik, erzählen Funfacts und Crew News, laden uns Interview Gäste ein und spielen Spiele. Zudem gibt es jeden Montag den Movie Monday, bei welchem um 20:15 ein zuvor gewählter Film auf dem Pooldeck gezeigt wird. So wird also die Crew in dieser Zeit bei Laune gehalten.

Das für mich größte Event was in dieser Zeit stattfand war der Bodybuilding Wettbewerb „Mr. AIDAmar“. Acht Männer durften auf der Bühne innerhalb von 3 Runden ihre Muskeln präsentieren und zeigen, was sie im Köpfchen haben und der Gewinner wurde zu „Mr. AIDAmar“ ernannt. Ich durfte dieses Event gemeinsam mit David auf englisch moderieren und es hat super viel Spaß gemacht. Das war meine erste wirklich große Moderation auf der Bühne mit vielen Zuschauern und ich habe tatsächlich ausschließlich positives Feedback erhalten, was mich total glücklich und stolz gemacht hat. Auch wenn die Zeit ohne Gäste manchmal echt trist erschien, werde ich die Dinge die ich erlebt habe nie vergessen und ich bin super dankbar dafür, dass ich ein Teil davon sein durfte.

Heartbreaking goodbyes

Kommen wir zu dem Tag, der mich in den letzten Wochen am meisten beschäftigt hat. Ich wusste es schon sehr früh, trotzdem hat es mich lange belastet, dass die Menschen, mit denen ich mich hier an Bord am besten verstehe, einen Monat vor mir absteigen. Und so schlich sich der 23.1.2021 langsam an. Dadurch, dass keine Gäste hier waren habe ich sehr viel Zeit mit einigen Menschen hier an Bord verbracht und als ich sie am Samstagmorgen mit dem kleinen Boot habe wegfahren sehen, konnte ich die Tränen nicht zurückhalten. Ich hatte mich so an den Umgang mit diesen Menschen gewöhnt, dass ich plötzlich gar nicht mehr wusste was ich überhaupt noch hier an Bord machen soll wenn sie nicht mehr da sind. Natürlich habe ich mich auch schnell wieder an die neue Situation angepasst und laufe jetzt nicht den ganzen Tag alleine rum, dennoch vermisse ich einfach meine Leute, unsere Gesprächsthemen und Witze.

Wer mich gut kennt weiß, dass ich ein Gewohnheitsmensch bin wenn es um sowas geht und dass ich mit Abschieden gar nicht klar komme. Ich denke, das werde ich im Laufe der nächsten Verträge wohl oder übel lernen müssen, aber bis dahin möchte ich gerne noch ein bisschen jammern und sagen: Ich vermisse euch!!

Unser Team hat sich innerhalb kürzester Zeit halbiert und es steigen mittlerweile täglich neue Leute ab. Auch unser Entertainment Manager und der Entertainment Office Manager, sowie die Show Managerin sind abgestiegen und wenn ich morgens zum Fieber messen ins Entertainment Office gehe, vermisse ich die Menschen, die auf den nun leeren Stühlen sitzen sollten.

Man merkt also langsam, dass das Schiff leer wird. Es sollen zwar neue Leute aufsteigen, aber bis das der Fall ist bin auch ich abgestiegen und ich werde erstmal keine prall gefüllte AIDAmar mehr zu Gesicht bekommen.

Endspurt

Wie bereits gesagt, auch meine Zeit hier an Bord neigt sich dem Ende zu. Ich habe so viel gelernt, bin so über mich hinaus gewachsen und hab mich so sehr verändert. Ich bin so unendlich dankbar für die Zeit hier und werde das Schiff in einigen Wochen mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen. Ich freue mich jetzt schon auf meinen nächsten Einsatz an Bord eines AIDA Schiffs und für mich kann es nicht schnell genug losgehen. Am liebsten würde ich zuhause ankommen, meine Koffer umpacken (ich bin nämlich auch was das Packen angeht ein wenig schlauer geworden) und direkt wieder losfliegen.

Bis dahin genieße ich aber die Zeit hier an Bord, die Sonne, die Musik, das Essen und die Menschen und bin jeden Tag dankbarer, dass ich hier sein darf.

Alles Liebe,

Saskia ♥️

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