⚓️ Meine ersten Tage an Bord – eine Kurzgeschichte

⚓️ Meine ersten Tage an Bord – eine Kurzgeschichte

Ahoi ihr Lieben! ⚓️

Da ich in meinen ersten Tagen an Bord so viel erlebt habe, dass ich das Gefühl habe, ich könnte einen Roman darüber schreiben, dachte ich mir, ich mache es einfach! Natürlich keinen Roman, eher eine sehr lange Kurzgeschichte. Also, ohne großes Gerede und Einleitung: Viel Spaß beim Lesen! 

Kapitel 1: Die Geschichte von der Hard Quarantäne

Hard Quarantäne. Klingt… schrecklich. Eine Woche lang eingesperrt auf einer Kabine, völlig isoliert und ohne soziale Kontakte. Zumindest dachte ich das anfangs. Doch im Gegenteil: Die Woche Hard Quarantäne ging sogar viel zu schnell vorbei. 

Ich stieg am letzten Donnerstag in Skagen an Bord, wurde dort freundlich empfangen und zu meiner Kabine geführt. Deck 6, Balkonkabine, Meerblick. Als ich die Tür das erste mal öffnete wusste ich schon, dass die Woche besser werden würde, als erwartet. Ein Welcome-Snack wartete auch schon auf mich, welchen ich direkt in meiner Hängematte auf dem Balkon genoss. Zudem fand ich auf meiner Kabine einen netten Willkommens-Brief von unserem Entertainment Manager, ein Fieberthermometer mit Tabelle, in welche ich zweimal täglich meine Temperatur eintragen sollte, einen Voucher für 250 MB Internet und einen Zeitplan inklusive einer Liste mit Snacks und Getränken, welche ich auf meine Kabine bestellen durfte. Die folgenden Tage sahen wie folgt aus: Frühstück um 08:00, Mittagessen um 12:00 und Abendessen um 18:00. Das Essen wurde uns von der Crew, die bereits an Bord war, vor die Kabine gestellt und wir durften es dann selbst reinholen nachdem sie weg waren. Die Portionen waren riiiieesig und das Essen war sehr abwechslungsreich, sodass eigentlich immer für jeden etwas dabei war. Wenn ich gerade nicht mit Essen oder Schlafen beschäftigt war habe ich an meinem iPad gezeichnet, Musik gehört, (ein wenig) Sport gemacht, oder mich auf dem Balkon mit meinen Nachbarn unterhalten. Ich hatte das große Glück, dass in den 4 Kabinen rechts neben mir jeweils andere Gastgeber waren, mit welchen ich viel reden und lachen konnte. Einer davon war der liebe Nils, welchen ich hier ganz unauffällig grüßen soll. Hallo Nils. Liebe Grüße. Bereits am Tag nach meinem Aufstieg verließen wir Skagen und machten uns auf den Weg in Richtung Kanaren. Da wir 13 Tage für die Reise eingeplant haben, fahren wir nur sehr langsam und dementsprechend wackelte es am ersten Tag ein wenig mehr. Aber dazu komme ich noch in Kapitel drei. Zwei kleine Highlights unserer bisherigen Reise waren für mich die Verabschiedung von AIDA Perla in Skagen mit Winken, Jubeln, AIDA Auslaufmusik und ganz viel Hupen, sowie das Sichten von Delfinen am fünften Tag. Ich habe leider gerade geduscht, als vier oder fünf Delfine neben unserem Schiff waren, dafür habe ich aber am Abend noch einen Delfin sehen können und war sehr happy darüber. Alles in allem war ich diesen Donnerstag schon fast ein wenig traurig als es nach dem negativen Corona Test hieß „you are now released from hard quarantine“. Natürlich freute ich mich aber auch sehr auf: 

Kapitel 2: Umzug in die Crew Kabine

Wie bereits erwähnt durften wir nach sieben Tagen Hard Quarantäne und einem zweiten negativen  Corona Test das erste Mal unsere Kabinen verlassen und an einem Townhall Meeting teilnehmen. Dort traf die gesamte Crew (natürlich mit Maske, Abstand und strikter Trennung der Soft Quarantine Crew vom Rest) zum ersten Mal aufeinander. Danach durften wir an der Rezeption einchecken und erhielten unsere Crew Karte. Und als wäre das alles nach einer Woche nichtstun noch nicht aufregend genug gewesen, zogen wir daraufhin auf unsere Crew Kabinen. Zumindest die Hälfte von uns. Der Rest ist auf andere Gästekabinen umgezogen und wird erst nach der Soft Quarantäne zu uns kommen, damit wir jetzt noch die Doppelkabinen alleine belegen können. Mein erster Eindruck der Kabine war eine Mischung aus „süüüüüüß“ und „ohje wo packe ich meine ganzen Klamotten hin??“. Es ist eine Doppelkabine in der größe meines Balkons aus der Woche zuvor. Darin befindet sich ein Hochbett (ich habe mir natürlich erstmal das untere Bett gesichert), 2 einhalb schmale Schränke pro Person, ein Stuhl, ein Hocker, ein Fernseher und ein kleines Bad in welchem man theoretisch beim Duschen auf der Toilette sitzen könnte. Es ist klein, aber es reicht auf jeden Fall. Ich wohne nun auf dem Gang „Bremen“ (der Crewbereich ist in verschiedene Straßen aufgeteilt, dazu komme ich aber in einem anderen Post nochmal). Meine Kabine befindet sich gaaaanz vorne im Schiff auf Deck 3. Es ist also laut, man hört jede Welle die gegen das Schiff schlägt und es wackelt sehr stark. Was mich auch schon zum dritten Kapitel bringt und zwar:

Kapitel 3: Seekrankheit 

Wer mich kennt weiß: ich werde auf Schiffen schnell seekrank. Ja ich weiß, ihr denkt euch jetzt: „äähhm und warum arbeitest du dann auf einem Kreuzfahrtschiff?“. Weil ich gehört habe, dass man sich daran wohl gewöhnt. Ich hoffe es zumindest, viel mehr hab ich meiner Kloschüssel nämlich nicht mehr zu erzählen 😂. Während der Hard Quarantäne habe ich versucht, das ganze ohne jegliche Tabletten und Armbänder zu überstehen und mir einzureden, dass das alles nur Kopfsache ist. Seit gestern handhabe ich es allerdings so, dass ich eine Tablette nehme, wenn ich weiß, ich muss arbeiten und es wird wackelig. Bis jetzt habe ich es ganz gut unter Kontrolle, beim Arbeiten kann ich es gut vergessen, sobald ich auf meiner Kabine bin, überkommt es mich dann aber leider meistens. Dazu kommt, dass ich recht viel Zeit auf meiner schaukeligen Kabine verbringen muss, da ich ja noch in Soft Quarantäne bin und nur zum Arbeiten, Essen und Wäsche waschen raus darf. Ich hoffe sehr, dass meine Seekrankheit im Laufe dieser Woche schon etwas nachlässt, damit ich fit bin, wenn die ersten Gäste kommen. 

Kapitel 4: „Was machst du eigentlich, jetzt wo noch keine Gäste an Bord sind?“

Da gestern erst mein erster Arbeitstag war kann ich euch natürlich noch kein richtiges Bild von unserem Tagesablauf geben aber ich kann natürlich berichten, was ich in den letzten zwei Tagen so gemacht habe. Der gestrige Tag bestand eigentlich nur aus Meetings, in welchen wir unseren Entertainment Office Manager und den Entertainment Manager kennenlernen durften, einem kurzen Rundgang durch den Crewbereich und einigen Inductions bezüglich Safety und Security, sowie Medical and Environmental Topics an Bord. Heute früh nach dem Frühstück ging es erstmal Fiebermessen und danach begann ein sehr aufregender Tag. Um kurz nach 10 hatte ich meinen ersten Drill. Ich bin im Pax Muster Team, was bedeutet, dass ich im Notfall die Gäste auf ihrer Musterstation empfange und – sollte es jemals dazu kommen – mit ihnen zusammen ins Rettungsboot steige. Also ging es mit Rettungsweste, fester Kleidung und Crew-Kappe auf Deck 5 zu Musterstation X. Ich hatte mir vorher schon den schnellsten Weg ausgesucht, nur leider folgendes nicht bedacht: No-go areas. Bei einem Drill wird ein Notfall simuliert und handelt es sich beispielsweise um ein Feuer, wird eine sogenannte no-go area durchgesagt, welche wir nicht betreten dürfen, weil dort das Feuer ist. Diese lag – wie auch sonst – auf meinem vorher geplanten Weg. Also bin ich erstmal ganz blöd allen anderen hinterher gelaufen und kam dann trotzdem sehr schnell am gewollten Ziel an. Oben wurde mir dann alles ausführlich erklärt. Allerdings war der Drill etwas seltsam, da wir ja keine Gäste an Bord haben mit denen wir gemeinsam üben konnten. Nach dem Drill hatten wir ein Meeting im Kids Club und uns Erstfahrern wurde nochmal von den Erfahrenen Gastgebern das komplette Schiff gezeigt. Danach ging es zum Tailor, die Uniform abholen. Wir haben den Fehler gemacht, zu viert als Erstfahrer dort aufzukreuzen, was bedeutete, dass die Arme Frau dort vier von uns gleichzeitig ankleiden musste. Da wir die Uniform ja noch nie zuvor getragen haben, mussten wir natürlich alles anprobieren und die Beinlänge für die Hosen musste vermessen werden. Das ganze dauerte insgesamt anderthalb Stunden, da es echt schwerer war als gedacht, die passenden Größen zu finden. Die Frau hatte aber sehr viel Gedult mit uns und hat ihre gute Laune die ganze Zeit beibehalten, was ich echt bewundere, da wir ihr glaube ich den lezten Nerv geraubt haben. Nach dem ganzen Prozedere ging es für uns zum Mittagessen und danach zum sogenannten Entertainment All Meeting, wo das gesamte Entertainment Department sich traf und unser Entertainment Manager sich vorgestellt hat. Zudem bekamen wir noch eine Stage Induction, in welcher uns erklärt wurde, wie die Bühne funktioniert und was wir beachten müssen, wenn wir auf (oder unter) der Bühne stehen. Das Meeting war der letzte offizielle Punkt für mich. Danach habe ich mit Kathrin zusammen Wäsche gewaschen und zu Abend gegessen und mich dann auf meine Kabine verzogen. 

Bonus Kapitel: Ein Tollpatsch, Zwei Tage, Drei Begegnungen mit der Brücke. 

Wenn ihr es bis hierhin durchgehalten habt, dann hab ich noch ein kleines goodie für euch: Fremdschämen deluxe. Ich bin gerade mal zwei Tage offizielles Crewmitglied und hatte schon drei Begegnungen mit der Brücke. Bei den Inductions gestern wurde uns noch erklärt, wie wir uns zu verhalten haben, wenn wir mal ausversehen die Brücke anrufen. Ich dachte mir noch „hä, wer ruft denn ausversehen auf der Brücke an?“. Ja, das bin dann wohl ich. Keine 10 Minuten nach den Inductions komme ich auf meine Kabine, stelle meinen Rucksack auf den Tisch und er kippt um. Auf das Telefon, auf den Speed-Dial Knopf zur Brücke… Gemerkt habe ich das Ganze erst, als mein Telefon plötzich mit mir redete. „Hello, this is the bridge“. Ich habe dann ganz verlegen abgehoben und erklärt, dass ich ausversehen angerufen habe. Scheinbar war niemand sauer auf mich, aber unangenehm war es mir natürlich trotzdem. Erster Tag und direkt mal mit der Brücke telefoniert, schlimmer geht es wohl nicht. „Wie bitte?“, sagte das Universum. „Challenge accepted!“  Heute morgen beim Frühstück guckt Kathrin mich verwirrt an und sagt: Du wir müssen zum Environmental Officer, wir haben vergessen etwas zu unterschreiben. Eigentlich hatte nur Kathrin diese Info bekommen, da wir aber den ganzen gestrigen Tag miteinander verbracht haben, war uns klar, dass wenn sie etwas nicht unterschrieben hat, ich es auch nicht getan habe. Also fragten wir jemanden, wo wir nun hinmüssen. „Deck 11, ganz vorne Richtung Brücke. Ihr findet das schon.“. Richtung Brücke also, alles klar. Es wäre vielleicht noch eine ganz brauchbare Info gewesen, dass wir nicht nur Richtung Brücke müssen, sondern zur Brücke! Ihr könnt euch also nun vorstellen, wie verdutzt Kathrin und ich waren, als sich die Tür öffnete und alles vor uns aus Computern und Glasscheiben bestand. Du weißt übrigens, dass etwas schiefgelaufen ist, wenn du vom Security Officer auf der Brücke mit den Worten „Ach, ihr schon wieder“ begrüßt wirst!!! Wir wurden also reingebeten, scheinbar fehlte nur Kathrins Unterschrift, sie unterschrieb und wir gingen mit hochroten Köpfen wieder Richtung Crew Messe. Zu dem Zeitpunkt konnte ich noch nicht ahnen, dass auch ich beim Mittagessen noch einen Anruf bekommen würde, ich hätte noch nicht unterschrieben und solle doch bitte nochmal hochkommen und das unverzüglich erledigen. Also, zurück in den Aufzug, schon mit hochrotem Kopf oben aufgetaucht, 10 mal entschuldigt, wieder Richtung Crew Messe. Im Aufzug stiegen dann ein paar Decks weiter unten Leute dazu, die mich mit den Worten „Na, warst du schon wieder auf der Brücke?“ begrüßten. Solche Neuigkeiten verbreiten sich also scheinbar sehr schnell an Bord. Ich bin jetzt also Saskia, die, die an ihren ersten zwei Tagen dreimal Kontakt mit der Brücke hatte. Nicht ganz das, was ich erwartet hätte, aber dafür konnte ich wenigstens für einige Lacher an Bord sorgen. Und dafür bin ich als Gastgeberin ja schließlich da. 

Das war’s auch „schon“ mit meinem etwas anderen Blogbeitrag. Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, Hut ab! Dankeschön für euer Interesse ♡ 

Sea you soon, 

Eure Saskia ⚓️