⚓️ Basic Training in Hamburg

⚓️ Basic Training in Hamburg

Ahoi ihr Lieben! ⚓️♡

In diesem Beitrag möchte ich über das Basic Training for Service Personnel in Hamburg berichten. Seit dem Bewerbertag habe ich mich sehr auf dieses Training gefreut, weil ich wusste, dass ich dort coole Leute kennenlernen und viel Spaß haben werde. Genau so war es auch. Schon vom ersten Tag an habe ich mich in der Gruppe und beim Training sehr wohl gefühlt und als die Woche vorbei war, wollte ich gar nicht mehr zurück nach Hause fahren.

Vorab ein paar allgemeine Informationen:

Das Training findet wöchentlich in Hamburg statt. Dieses kann sowohl mit der Fähre, als auch mit Bus und Bahn erreicht werden.

Ich habe mir mit zwei Mädels, die ich beim Bewerbertag kennengelernt habe, ein Zimmer im A&O Hostel Hamburg City geteilt. Von dort aus waren wir jeden Morgen weniger als eine Stunde unterwegs. Ein Paar Leute vom Training wohnten in der Seemannsmission; eine der Unterkünfte die von AIDA empfohlen werden. Diese kostet zwar ein wenig mehr, hat aber auch eine Bar mit Dart, Billiard und Tischkicker im Keller und bietet somit einen schönen Ort, an dem man sich Abends treffen und den Tag ausklingen lassen kann.

Ich war sehr zufrieden mit unserer Unterkunft, wenn ihr aber alleine zum Training fahrt und schneller Leute kennenlernen wollt, würde ich euch die Seemannsmission ans Herz legen.

Das Training findet auf Englisch statt, da (wie ich bereits in meinem ersten Post erwähnt habe) die Sicherheitssprache an Bord Englisch ist. Aber keine Angst: In unserer Gruppe hatte niemand Probleme mit der Sprache und wenn es doch mal zu Missverständnissen kommt, können die Kursleiter auch alle Fragen auf deutsch beantworten.

Auch das Essen ist sehr lecker und die Portionen sind groß, ihr müsst euch also keine Gedanken machen, dass ihr dort verhungert 😋. Es gibt jeden Tag 5 verschiedene Gerichte zur Auswahl, darunter auch täglich mindestens ein vegetarisches Gericht sowie eine Salatbar. Kaffee, Tee und Wasser werden euch natürlich auch während des gesamten Trainings zur Verfügung gestellt.

Kommen wir zum Ablauf der Woche:

Montag:

Als wir am Montagmorgen angekommen sind, wurden wir sehr freundlich empfangen und uns wurde direkt der Weg ins Klassenzimmer gezeigt. Dort saßen fast alle Anderen schon an ihren Tischen und haben sich unterhalten. Wir haben natürlich direkt mitgeredet und uns mit allen auf Anhieb gut verstanden. Auf unseren Tischen lagen bereits Blöcke, Kullis und ein Handout, sowie ein Ablaufplan für die gesamte Woche. Auch Namensschilder wurden für uns alle ausgedruckt.

Als der Kursleiter in den Raum kam, haben wir uns alle kurz vorgestellt und sind den Plan für die Woche durchgegangen. Relativ schnell ging es dann auch mit der Theorie los. Zuerst lernten wir allgemeine Begriffe über das Schiff, zum Beispiel Port (Backbord), Starboard (Steuerbord), Bow (Bug) und Stern (Heck), sowie einige Punkte zur Orientierung an Bord, wie Decks und die verschiedenen vertikalen Zonen, in welche ein Schiff aufgeteilt ist. Weiter ging es mit Wasser- und Feuerfesten Türen, Musterstationen, Notfallmaßnahmen und vieles mehr und ich bin aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen. Weder in der Schule, noch in der Uni habe ich jemals so viel mitgeschrieben oder so viel am Unterricht teilgenommen, wie in dieser Woche 😅.

Nach dem Mittagessen redeten wir über Rettungsboote und sogenannte MES (Marine Evacuation Systems), welche man im Notfall mittels einer Rutsche erreicht. Dann ging es nach Draußen und wir durften alle einmal diese Rutsche („Chute“) ausprobieren. Ich hatte vorher etwas Angst aber ich bin zum Glück weder stecken geblieben noch zu schnell unten angekommen 😂.

Auch ein Rettungsboot haben wir uns von Innen angeschaut und dort über die Ausstattung dieser Boote geredet. Es war sehr interessant zu sehen, was sich alles in darin befindet und wie man verschiedene Rationen (zum Beispiel Essen, Wasser, Tabletten) aufteilt.

Nach dem Training haben wir uns in einem Restaurant in der Europa-Passage zum Abendessen und Cocktails trinken getroffen. Spätestens nach dem ersten gemeinsamen Abend war mir bewusst, wie sehr ich diese Gruppe nach der Woche vermissen würde!😪

Dienstag:

Als am Dienstagmorgen um halb 7 der Wecker klingelte bin ich – obwohl ich ein extrem-Langschläfer bin – erstaunlich gut aus dem Bett gekommen. Dies hing einerseits damit zusammen, dass ich mich so auf den Tag freute und andererseits, dass ich total aufgeregt war, denn Dienstag stand das Feuerlöschen an! Wer mich kennt weiß, dass ich riesige Angst vor Feuer habe 😰.

Unser Kursleiter am Dienstag war ein Feuerwehrmann aus Hamburg. Der Tag begann wieder mit einer Vorstellungsrunde, einem Theorieteil und ein paar Filmen über Brände auf Fährschiffen und in Fußballstadien. Ich habe an diesem Morgen erstaunlich viel über Feuer gelernt und obwohl es mir eigentlich Angst machen sollte, zu sehen wie schnell ein Feuer sich ausbreiten und was für Schäden es anrichten kann, fühle ich mich jetzt viel sicherer als zuvor.

Vor dem Mittagessen ging es auch schon wieder raus zur nächsten Übung. Zuerst wurden wir in Zweierteams in einen mit Theaterrauch gefüllten Container geschickt und sollten den Ausgang finden. Der Feuerwehrmann war natürlich direkt hinter uns und hätte sofort eingreifen können, wenn jemand Angst bekommt oder wir Hilfe benötigen. Obwohl wir zuvor den Container im Hellen und ohne Qualm von Innen gesehen haben, war es sehr schwer, den Ausgang zu finden und wir haben gegen Ende die Orientierung verloren.

In der Zweiten Runde gingen wir in Dreierteams erneut in den Container und sollten in dem Rauch eine Puppe finden, welche einen bewusstlosen Menschen simulierte. Es war sehr schwer, erst die Puppe und dann den Ausgang zu finden und wir haben circa dreieinhalb Minuten dafür gebraucht.

Nach dem Mittagessen ging es wieder weiter mit der Theorie. Wir wurden über verschiedene Arten von Feuern und Feuerlöschern aufgeklärt und wir lernten, wie man bei Rauchentwicklung oder Feuer an Bord vorgeht.

Danach ging es raus zur praktischen Übung und wir mussten ein Feuer mit ABC Powder und eins mit CO2 löschen. Ich weiß nun also nach 20 Jahren endlich, wie man einen Feuerlöscher bedient 🙆🏼‍♀️.

Mein Lieblingsbild der Woche

Nach dem Training bin ich mit einem Teil der Gruppe mit der Fähre in die Stadt gefahren und wir sind auf die Elbphilharmonie gegangen. Dort sind einige lustige Fotos entstanden, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte 😋:

Am Abend waren wir in der L’Osteria Pizza essen und haben danach in der Seemannsmission Billiard, Dart und Tischkicker gespielt (und unglaublich günstiges Bier getrunken 👅).

Mittwoch:

Am Mittwochmorgen erwartete uns wieder ein neues Gesicht vor der Tafel. Unser Kursleiter vom Montag ist leider krank geworden und wurde für den Rest der Woche vertreten.

Der Morgen begann wie immer: Vorstellungsrunde, dann ein wenig Theorie. Danach schrieb unser neuer Trainer eine Liste mit unseren Namen, unserer Position und einem noch leeren Feld mit der Überschrift „Manning Number“. Er erklärte uns, was es mit dem Begriff Manning Number auf sich hat und dass diese wichtig ist, da sie unsere Aufgaben und Stationen im Notfall definiert. Hinter seinem eigenen Namen trug er dann die Manning Number „001“ ein. Nun wussten wir also, wer da vor uns steht: Ein echter Kapitän! Unser Trainer für den Rest der Woche war einer der ersten Kapitäne von AIDA! Für Einige klingt das jetzt blöd, aber ich fand das total cool. Er konnte uns sehr viele Insider Infos geben und hat schon in sehr hohen Positionen bei AIDA gearbeitet, was das Training nochmal um einiges spannender gemacht hat (wenn das überhaupt noch möglich war 👀).

Der Praktische Teil am Mittwoch war eher kurz: Wir mussten die sogenannte Embarkation Ladder (Einschiffungsleiter) bis zur Hälfte hoch, und dann wieder runter klettern.

Ansonsten haben wir viel über Crowd Management gelernt und einmal alle Notfallsignale und Aktionen anhand von unseren zugewiesenen Manning Numbern und Aufgaben theoretisch durchgesprochen.

Am Abend habe ich mir mit den Beiden aus meinem Zimmer das Levante Haus angeschaut und wir haben leckere Bowls gegessen. Danach sind wir aufs Zimmer gegangen, haben uns eine Geschichte überlegt, anhand von der wir uns das NATO-Alphabet gut merken können und dazu ein lustiges Video gedreht. Eigentlich wollten wir den ganzen Abend zum Lernen nutzen, wir haben aber komplett die Zeit vergessen und mussten dann Prioritäten setzen – aka: Bachelor gucken 😂.

Donnerstag:

Auch am Donnerstagmorgen ging es viel um das Thema Crowd Management. Direkt zum Tageseinstieg haben wir uns eine Dokumentation über den Untergang der Costa Concordia angeschaut. Wir konnten sehen, welche schwerwiegenden Fehler auf dem Schiff gemacht wurden und aus diesen lernen. Nach der Dokumentation war ich ehrlich gesagt ziemlich schlecht gelaunt, weil das Fehlverhalten des Kapitäns und der Brücke mich total wütend gemacht hat 😅. Ich hatte mich davor noch nie so richtig mit dem Thema auseinandergesetzt.

Der Tag ging weiter mit den Themen Security und Personal Survival Techniques. Nach dem Mittagessen haben wir über die bevorstehende praktische Übung im Pool geredet und dann ging es auch schon los ins gegenüberliegende Gebäude. Dort haben wir uns unsere Badesachen angezogen und einen weißen Overall und Schuhe dazu bekommen, um die Übung so realistisch wie möglich zu gestalten – im echten Notfall hat man ja schließlich auch keinen Bikini an.

Das erste was wir machen mussten, war über eine Leiter ins Wasser zu gehen und die sogenannte „Help Position“ einzunehmen; eine Position, die einen im kalten Wasser möglichst warm hält. Danach sind wir vom 2,5 Meter Brett mit Rettungswesten ins Wasser gesprungen, was zu meinem Erstaunen kaum wehgetan hat. Hätte ich nicht mitten im Sprung die Rettungsweste losgelassen, um meine Nase zuzuhalten, hätte es bestimmt gar nicht wehgetan 🤦🏼‍♀️.

Des Weiteren haben wir ein paar unterschiedliche Formationen geübt, sind auf eine Rettungsinsel geklettert und haben eine Helikopterrettung simuliert.

Eher ungeplant: Die „Herzchenformation“

Am Abend war ich mit einer von den Beiden aus meinem Zimmer Sushi essen und danach sind wir ins Hostel gegangen, um für den Test am Freitag zu lernen. Ihr könnt es euch schon denken: Wir mussten wieder Prioritäten setzen – Topmodel lief schließlich. Trotzdem haben wir uns in den Werbungen gegenseitig abgefragt und da wir eh die ganze Woche lang gut aufgepasst und mitgeschrieben haben, gab es auch nicht viel zu Lernen.

Freitag:

Am Freitag war es endlich so weit: Nach ein paar Stunden Theorie (diesmal ging es um die Umwelt und um „HESS„) und einem frühen Mittagessen haben wir einen richtigen Drill durchgeführt. Wir durften eine andere Gruppe (sie hatten nichts mit dem Basic Training zu tun) aus ihrem Klassenzimmer heraus in ein Rettungsboot evakuieren. Wir sind dabei vorgegangen, als wären wir wirklich auf dem Schiff: Es gab Durchsagen über Walkie Talkies, wir wurden in verschiedene Teams aufgeteilt (Evacuation, Stairway Guides, Assigned Stairway Guides, Special Needs Team, …) und es liefen echte Notfallsignale. Ich war im Passenger Muster Team eingeteilt, musste also dafür sorgen, dass alle vollständig auf der Musterstation sind, ihre Rettungswesten richtig tragen und geordnet und schnell ins Rettungsboot kommen.

Zuletzt haben wir noch einen Test geschrieben, auf welchen ich jetzt nicht genauer eingehen werde. Ich kann aber sagen: Wir haben alle bestanden 🥳.

Zur Feier des Tages sind wir nach einem kurzen Touri-Trip durch den Elbtunnel wieder in die Seemannsmission gefahren und haben dort ein wenig Hopfensaft getrunken 🍻.

Samstag:

An unserem letzten gemeinsamen Tag stand der Erste Hilfe Kurs an. Da ich vor einigen Wochen erst einen gemacht hatte, habe ich erwartet, dass der Tag sehr langweilig wird. Das war aber überhaupt nicht der Fall. Wir haben einige nützliche Sachen gelernt, die sonst im Erste Hilfe Kurs nicht vorkommen und es hat auch wieder sehr viel Spaß gemacht.

Nach dem Kurs erhielten wir unsere Zertifikate für die Woche und mussten uns von den Ersten verabschieden. Da mein Zug erst um 20:00 Uhr fuhr, bin ich noch mit zwei Weiteren zu einer Kursteilnehmerin, die in Hamburg wohnt, nach Hause gefahren und wir haben dort noch geredet und die letzten Stunden zusammen genossen.

Als ich am Abend im Zug saß wusste ich garnicht, was ich fühlen soll: Ich war glücklich, dass ich so eine tolle Woche hatte und so tolle Menschen kennenlernen durfte; traurig, weil es schon vorbei war; empfand Vorfreude, weil ich einen kleinen Teil der Gruppe bei der Gastgeberschulung in zwei Wochen wieder treffen werde; war satt, weil ich so viel gegessen hatte; müde, weil ich so wenig geschlafen hatte und dachte mir „Oh Gott, in 20 Tagen geht es wirklich los“ 😱.

An alle, bei denen das Safety Training in nächster Zeit ansteht:

Freut euch darauf! Es wird eine sehr schöne und intensive Zeit und es gibt meiner Meinung nach keine bessere Vorbereitung auf die Zeit an Bord.

Danke, dass ihr diesen (unendlich langen) Blogbeitrag gelesen habt! Wenn ihr noch Fragen habt (was eigentlich unmöglich ist, so viel wie ich geschrieben habe 😂), dann schreibt mir gerne einen Kommentar, eine Mail oder auf Instagram.

Sea you soon,

Eure Saskia ♡